Leben auf der Alm

Die Gletscher und der Klimawandel

(c) NPHT / Jurgeit

Gletscher gehören zu den wohl imposantesten Landschaftselementen unserer Alpen. Viele von uns kennen sie von winterlichen Skiausflügen oder Bergwanderungen. Doch wie entstehen diese beeindruckenden Eismassen, die unsere Landschaft seit Jahrtausenden formen und verändern? Warum sind sie für unsere Umgebung so wertvoll und wie sieht die Zukunft des „ewigen“ Eises aus? Im Rahmen unserer Milka Initiative „Lila liebt Grün“ möchten wir mehr Wissen über unsere Gletscher und ihren Rückgang vermitteln. So können wir zeigen, warum es so wichtig ist, unser Naturerbe nicht nur im Nationalpark Hohe Tauern, sondern in ganz Österreich zu bewahren. Gemeinsam arbeiten wir daran, die Pracht unserer Gletscher auch in Zukunft bewundern können. Doch zuerst zu den Fakten:

Was ist überhaupt ein Gletscher und wie entsteht er?

Der Begriff Gletscher wird vom lateinischen Wort „glacies“ abgeleitet und bedeutet – wenig überraschend – Eis. Im deutschsprachigen Alpenraum sind Gletscher auch noch unter anderen Namen bekannt. Je nach Region wird von „Ferner“ oder „Kees“ gesprochen. Von diesen eisigen Riesen gibt es insgesamt 342 Stück im Nationalpark Hohe Tauern – damit bedecken sie circa 10 Prozent der gesamten Nationalparkfläche! Übrigens: Der größte Gletscher Österreichs und der Ostalpen befindet sich in Kärnten. Die sogenannte „Pasterze“ unterhalb des Großglockners ist dort mit 8 Kilometern Länge Rekordhalter.

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Ein Gletscher bildet sich dann, wenn in einem Gebiet über mehrere Jahre hinweg der im Winter gefallene Schnee im Sommer nicht vollständig abschmilzt. Jahr für Jahr lagern sich immer mehr Schneeschichten übereinander, bis sich Firn bildet. Firn ist weißes, graupelartiges Eis, das im Sommer nicht schmilzt. Über die Jahre hinweg wird der Druck auf das Firneis immer stärker, wodurch sich dann Gletschereis bildet. Durch Schneefall können Gletscher wieder an Masse gewinnen, zu warme Temperaturen jedoch bringen das Gletschereis zum Schmelzen. Dieser Vorgang nennt sich Gletscherschwund und wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts beobachtet.

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Die Gletscher schmelzen

Aufgrund der Klimaerwärmung und des fehlenden Schneefalls beginnen die Gletscher zu schmelzen. Sie verkleinern sich und drohen je nach Höhenlage sogar ganz zu verschwinden. Das Phänomen des Gletscherschwunds ist weltweit zu beobachten, so auch in den Alpen Österreichs. Seit 1969 etwa hat die Gletscherfläche im Nationalpark Hohe Tauern um etwa ein Viertel abgenommen! Eine Verlangsamung des Gletscherrückzugs ist nicht in Sicht. Forscher gehen davon aus, dass bis zum Ende des 21. Jahrhunderts voraussichtlich 70 Prozent des verbleibenden Eisvolumens verloren gehen werden.

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Wenn unsere Gletscher tauen, verändert sich auch unsere Landschaft und unsere Natur. Diese riesigen Eismassen regulieren nicht nur unser Klima und den Wasserhaushalt im Gebirge, sondern sind auch Lebensraum für viele Tiere – ein weiteres Thema, dem wir uns mit „Lila liebt Grün“ mit großem Interesse widmen. Denn wenn Gletscher verschwinden und Gletscherbäche versiegen, verlieren die dort angesiedelten Wasserlebewesen ihren Lebensraum. Außerdem sind Gletscher nach den Ozeanen die größten Wasserspeicher der Erde und sammeln gigantische Mengen an Süßwasser für die Zukunft. In kühlen Jahren speichern sie Teile des Niederschlages, den sie in warmen und trockeneren Zeiten abgeben, um die Gletscherbäche mit Wasser zu versorgen.

Sollten die Gletscher aber eines Tages komplett verschwunden sein, wird dies die Wasserverfügbarkeit der ehemaligen Gletschertäler und in einem großen Teil der Alpen stark beeinflussen und die Konsequenzen für Mensch, Pflanze und Tier werden deutlich spürbar sein.

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Sonderausstellung über das ewige Eis

Wenn sich das Eis zurückzieht und die Landmassen darunter freigegeben werden, entdecken Forscher immer wieder beeindruckende Funde, mit denen die Klimageschichte der Hohen Tauern rekonstruiert werden kann. So werden immer wieder Holzstücke, Pflanzenreste oder Torfstücke mit Pollen und Samen freigelegt. Durch die Analyse der Materialien lassen sich Rückschlüsse auf die Ausdehnung der Gletscher und die klimatischen Bedingungen vor tausenden Jahren ziehen und wir bekommen dadurch einzigartige Einblicke in eine Welt lange vor unserer Zeit.

(c) NPHT / B. Malowerschnig
(c) NPHT / B. Malowerschnig

Wenn Ihr noch mehr über das Thema Gletscher erfahren möchtet, empfehlen wir Euch die aktuelle Sonderausstellung unseres Partners Nationalpark Hohe Tauern: Im Nationalparkhaus Matrei in Osttirol werden – unter anderem mit historischen Aufnahmen – die Gletscherveränderungen im Laufe der Zeit sichtbar gemacht. Darüber hinaus erhaltet Ihr dort interessante Einblicke in einen seltenen und dabei wirklich großartigen Beruf: Gletscherforscher. Die Ausstellung bietet freien Eintritt und läuft noch bis Herbst 2020. Wir empfehlen den Besuch „wärmstens“, denn das Schaffen von Bewusstsein und Wertschätzung gegenüber unserem Naturerbe und den eisigen Schätzen der Natur ist Milka ein großes Anliegen.

Der Link zur Ausstellung: https://hohetauern.at/de/besuchen/nationalparkhaus-matrei.html

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