Allgemein Das Beste vom Sommer

Wo Märchen geschrieben werden: Ein Naturjuwel im Herzen des Nationalparks Hohe Tauern

Ein kurzer steiler Aufstieg, eine märchenhaft romantische Moorlandschaft, 1000 Jahre alte Zirben, schwarze Seen, Moose, Farne, Flechten und Moosbeersträucher (Heidelbeeren) soweit das Auge reicht. All das und noch viel mehr entdeckt man bei der geführten Wanderung durch das geheimnisvolle Hochmoorgebiet im Stubachtal in Uttendorf. Wir haben für euch die Tour durch den Wiegenwald hinauf bis zur Mittelstation der Weißsee Gletscherbahn erkundet.

Ein geheimnisvolles Naturjuwel

Um den Weg in dieses Gebiet zu finden, muss man sich schon gut im hinteren Stubachtal auskennen, denn es gibt weder Wegweiser noch Schilder, die auf das Hochmoorgebiet hindeuten. Aus diesem Grund empfehlen wir, den empfindlichen Natur- und Lebensraum Wald in Begleitung eines Nationalpark Rangers zu erkunden. Diese kennen nicht nur den Wanderweg, sondern wissen die Besonderheiten des Waldes aufzuzeigen.

© NPHT/ R. Sonnberger

Schritt für Schritt den Berg hinauf

Die Wanderung beginnt mit einem steilen Anstieg von rund 200 Höhenmeter durch einen Fichtenwald. Entlang des Weges kann man immer wieder Flechten, Baumzapfen und Fraßspuren von Tieren am Boden entdecken. Rangerin Martha erklärt, dass einzelne Tiere die Zapfen sammeln und aufknacken, um an die darin enthaltenen Samen zu gelangen.

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Eine echte Freundschaft

In Zirbenwäldern ist ein ganz besonderer Vogel, der sogenannte Tannenhäher oder umgangssprachlich genannt „Zirbenhetz“ zuhause. Diesen Namen trägt er auf Grund seiner „Freundschaft“ mit dem Zirbenbaum, die aus Geben und Nehmen besteht. Während er sich in den Sommermonaten vor allem von Insekten ernährt, greift er im Winter auf die Samen von Nadelhölzern zurück. Besonders gerne frisst er die Samen der Zirbe, die sogenannten Zirbelnüsse. Diese „erntet“ der Vogel während der Herbsttage und legt damit einen Wintervorrat an. Diesen versteckt der Tannenhäher im Erdboden, indem er mit seinem Schnabel ein Loch in den Boden hackt und es anschließend wieder mit Erde bedeckt. Um die Nüsse verspeisen zu können, hält der Tannenhäher sie mit einem Fuß fest, während er sie mit seinem kräftigen Schnabel knackt. Ab und zu vergisst er ein solches Versteck im Erdboden, so können aus den Nüssen wieder neue Zirbenbäume wachsen.

© NPHT/ R. Sonnberger

Malerisches Hochmoor

Nach einer guten halben Stunde erreicht man die Außenzonen-Tafel des Nationalparks Hohe Tauern und hat somit den anstrengenden Teil des Aufstiegs hinter sich gebracht. Die Außenzone des Nationalparks Hohe Tauern dient der Förderung der biogenetischen Artenvielfalt und Pflege der Kulturlandschaft, während in der Kernzone die freie natürliche Entwicklung gefördert wird. Am Ende des Weges angekommen, lichtet sich der Wald, der Himmel wird wieder sichtbar und man tritt in eine wildromantische Hochmoorlandschaft ein. In vollkommener Ruhe kann man den angelegten Pfad entlang wandern und von den unzähligen Moosbeeren naschen.

© NPHT/ R. Sonnberger

Die Vielfalt in den Moortümpeln

Zwischen den einzelnen Bäumen und Latschen befinden sich schwarze Moortümpel, in denen sich die Berglandschaft der Hohen Tauern spiegeln und auch Libellen, Wasserläufer und andere Kleintiere ziehen dort ihre Kreise. Aber nicht nur die winzigen Tierchen können wir an diesem Tag beobachten, wir hatten auch das große Glückacht Gänsegeier am Himmel zu entdecken. Die imposanten Vögel, die eine Spannweite von zwei bis drei Meter erreichen können, segeln mit rasender Geschwindigkeit durch die Lüfte und sind eine Besonderheit im Nationalpark Hohe Tauern. Die Rangerin erzählte uns, dass die Hohen Tauern das einzige Gebiet im gesamten Alpenraum, sogar in ganz Mitteleuropa sind, in welchem die Geier regelmäßig beobachtet werden.

© NPHT/ R. Sonnberger

Tausendjahre alte Zirben

Folgt man dem Wanderweg, so kommt man in einen dichteren, fast märchenhaften Wald. Pilze sprießen aus sattgrünem Moos, alte verdrehte Baumstämme zieren den Weg und dichte Baumflechten hängen von den tausend Jahre alten Zirben. „Das ist einer der ältesten Baumbestände in den Alpen“ erklärt Rangerin Martha. Bereits sehr früh hat man erkannt, dass es sich um einen besonderen Wald handelt, weshalb er schon vor sehr langer Zeit unter Schutz gestellt wurde. Am Ende des Waldes befindet sich auf circa 1.800 Meter Seehöhe das Reich der Latschenkiefern. Diese sind so hoch gewachsen, dass man als Wanderer kaum noch sichtbar ist.

Die Route führt an einem weiteren See, der sogenannten „schwarzen Lacke“, vorbei und endet in der Nähe der Bergstation Weißsee. Den „Abstieg“ bewältigt man am besten mit der Gondel bei herrlicher Aussicht auf die traumhafte Naturlandschaft der Hohen Tauern – und wir haben uns die Fahrt mit einem Stück wohlverdienter Schoki versüßt.

© NPHT/ R. Sonnberger