Leben auf der Alm

Schwein gehabt!

Denkt man an Tiere auf der Alm, fallen einem meist zu allererst Kühe ein. Auf den Almwiesen des Nationalparks Hohe Tauern kann man aber auch rosaroten Vierbeinern begegnen: den Schweinen. Diese lassen sich nämlich, genau wie Kühe, perfekt in das Almleben einbinden. Wie man es richtig macht, zeigt die Almsennerei Tauer in Osttirol. Dort wird die bei der Käseproduktion entstandene Molke an die hauseigenen Almschweine, die auf den Almwiesen der Hohen Tauern ihren Sommer verbringen, verfüttert. Wir haben den Nationalpark Schweinderln für Lila liebt Grün einen Besuch abgestattet. 

Die Almsennerei Tauer

Am Eingang des idyllischen Gschlösstales in Matrei (Osttirol) liegt die Almsennerei Tauer. Seit 2017 wird hier die Milch von den umliegenden Almen verarbeitet. Aus rund 3.000 Litern frischer Milch entstehen täglich verschiedenste Leckereien wie etwa Graukäse, Bergkäse, Joghurt oder Almbutter. Anschließend werden diese Produkte im hauseigenen Almladen direkt vor Ort verkauft. Und auch die Kühe, die die Milch für die verschiedenen Molkereiprodukte liefern, befinden sich in unmittelbarer Nähe zum Grasen auf den saftigen Almweiden des Gschlösstales. Selbst die Bauern profitieren von der regionalen Verarbeitung, denn durch die eigene Produktion und Vermarktung sind sie nicht vom globalen Milchpreis abhängig. Das führt dazu, dass die Molkerei einen höheren Preis direkt an die Bauern ausbezahlen kann und die Wertschöpfung vor Ort in der Region der Hohen Tauern bleibt.

© Milka/Gregor Aßlaber

Die Almschweine

Es können jedoch nicht alle Erzeugnisse aus der Milchverarbeitung effizient an die Kunden verkauft werden. Bei der Käseherstellung beispielsweise entstehen große Mengen an Molke, die andernorts häufig im Abfluss landen. Die Almsennerei Tauer legt allerdings großen Wert darauf Nichts zu verschwenden und hat sich deshalb etwas ganz Besonderes überlegt: Nicht weit von der Molkerei entfernt, inmitten von Wiesen und Wäldern, hat man ein kleines Paradies für Schweine geschaffen. Zwölf Almschweine können hier quietschfidel durch die Gegend laufen, herumwühlen, fressen – und Molke trinken. Neben Gras und Trockenfutter erhalten die rosaroten Vierbeiner täglich frische und nahrhafte Molke direkt aus der Sennerei nebenan. Und sie können den ganzen Tag ihren Lieblingsbeschäftigungen nachgehen: sei es das Wühlen in der Erde, das Schlafen unter den Fichten oder das Suhlen im Sumpf. Wer das beobachtet, dem fällt auf: Den Almschweinderln hier im Nationalpark Hohe Tauern fehlt es wohl an nichts.

© Milka/Gregor Aßlaber

Schweine-Mythen

Schweine werden oft unterschätzt, obwohl sie an vierter Stelle der intelligentesten Tiere auf unserem Planeten stehen. Die Bezeichnung „dumm wie ein Schwein“ ist daher falsch gewählt. Die rosaroten Paarhufer können beispielsweise Tricks erlernen und hören auf ihren eigenen Namen. Außerdem ist die weit verbreitete Redensart „Ich schwitze wie ein Schwein“ ein Irrglaube, denn Schweine sind sauberer als man denkt. Sie besitzen überhaupt keine Schweißdrüsen und transpirieren auch nicht wie wir Menschen über die Haut. Schweine achten zudem darauf, dass sie ihren Futterplatz nicht beschmutzen und trennen auch ihren Schlafplatz vom „stillen Örtchen“. Ehre machen wir den schlauen Tieren vor allem an Silvester, da werden kleine Schweine-Figuren aus Schokolade oder Marzipan gerne verschenkt – als Glückssymbol sollen sie Wohlstand, Fruchtbarkeit und Stärke bringen. Schwein gehabt 😉

© Milka/Gregor Aßlaber